Hünfeld (fs) – Corona-Meister der Fußball-Verbandsliga Nord – mit diesem Titel geht der Hünfelder SV in die Geschichtsbücher ein. Der Saison-Abbruch muss zwar auf dem außerordentlichen Verbandstag noch rechtsgültig beschlossen werden, dennoch verabschiedet sich Chefcoach Dominik Weber nach insgesamt sieben Jahren mit der Rückkehr in die Hessenliga und dem zweiten Verbandsliga-Titel – und das vollkommen zurecht, wie der HSV-Coach findet.

„Ich gehe stark davon aus, dass es so kommen wird, dann sind wir Meister und Aufsteiger. Und das ist in meinen Augen auch verdient“, meint Weber, der verdeutlicht: „Natürlich hätten wir die Saison gerne unter normalen Umständen zu Ende gespielt, das ist aber leider nicht möglich. Und die Tabelle hat nach 19, 20, 21 Spielen auch eine gewisse Aussagekraft. Klar werden andere Mannschaften sagen können, dass im Fußball noch viel passieren kann, aber wir waren über 20 Spiele hinweg die beste Mannschaft und gehen verdient hoch.“

Und die Zahlen scheinen dem HSV-Coach Recht zu geben: 47 Punkte aus 19 Spielen bedeuten immerhin fast 2,5 Punkte pro Spiel, mit 64 Toren stellen die Haunestädter die beste Offensive und mit 17 Gegentreffern mit Abstand die beste Abwehr. Deshalb findet Weber: „Es waren nur wenige Spiele dabei, die wir glücklich gewonnen haben. Wir hatten eine gute, eingespielte Mannschaft, in der jeder wusste, was er auf seiner Position abzuliefern hat. Wir haben es geschafft, fußballerisch und mannschaftlich geschlossen unsere Spiele zu gestalten. Wenn wir den Punkteschnitt und die Torquoten durchgezogen hätten, wäre es am Ende deutlich gewesen.“

Richtig in Fahrt kamen die Hünfelder vor allem nach der mehr als vermeidbaren 1:2-Pleite bei Türkgücü Kassel Anfang September: Danach gab es in elf Spielen neun Siege und nur zwei Punkteteilungen, darunter so famose Auftritte wie beim 4:1 in Flieden, beim 5:2 bei CSC 03 Kassel oder beim 4:0-Heimsieg gegen Johannesberg – allesamt direkte Konkurrenten um den Aufstieg. „Wenn wir nur annähernd auf das Niveau von vor der Pause gekommen wären, hätte kein Weg an uns vorbeigeführt“, ist sich Weber sicher, der mit Blick auf das Türkgücü-Spiel sagt: „Das war ein Ausrutscher, danach hat jeder kapiert, was es braucht, um eine gute Serie zu spielen. Und in den Spitzenspielen haben wir gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft sind, ein gutes Niveau haben.“

Einen Spieler hervorheben will der HSV-Coach aber nicht, zu homogen sei die Mannschaft aufgetreten. Gerade in der Defensive war Konstanz der Trumpf: Rechtsverteidiger Marcel Dücker, die Innenverteidiger Nicolas Häuser und Steffen Witzel sowie Linksverteidiger Andre Vogt waren auf ihren Positionen gesetzt, gerade Dücker überzeugte allerdings auch als Innenverteidiger und auf der Sechs, wo sich mit dem extrem kopfballstarken Aaron Gadermann gerade nach dem Pokalspiel gegen Steinbach allerdings auch ein Youngster neben dem enorm ballsicheren Sebastian Alles festspielte. Positiver Nebeneffekt: Kapitän Julian Rohde rückte eine Position nach vorne und gab den Spielmacher. Offensiv war der HSV ohnehin über jeden Zweifel erhaben, sodass Weber die Qual der Wahl hatte: Linksaußen Maximilian Fröhlich traf insgesamt 13 Mal selbst und bereitete unzählige Treffer vor, Rückkehrer Alex Reith war die erhoffte Verstärkung und spielerisch wie gewohnt eine Augenweide, während Florian Münkel als Stoßstürmer immerhin zehn Treffer erzielte und Allrounder Kevin Krieger bis zu seinem Knöchelbruch im Sandershausen-Spiel keine Partie verpasste und ebenfalls acht Treffer erzielte – dazu hatte Weber auch noch Christoph Neidhardt und Daniel Kornagel in der Hinterhand.

Da der Kader bis auf Florian Münkel (Lütter) zusammenbleibt und mit Georghe-Daniel Azamfirei (Hattenhof) sowie Max Vogler (JFV Viktoria Fulda) bereits die ersten beiden Neuzugänge feststehen, dürfte der HSV für die Hessenliga gut gerüstet sein – Noch-Trainer Weber ist jedenfalls froh, die Mannschaft dort an Johnny Helmke übergeben zu können, wo er sie vor sieben Jahren von Oliver Bunzenthal übernommen hat: „Ich bin immerhin zweimal Verbandsliga-Meister mit der Mannschaft geworden. Wir hätten natürlich alle lieber eine richtiger Meisterfeier gehabt und das regulär auf dem Platz gefeiert, aber wir haben den Auftrag erfüllt und gute Arbeit abgeliefert. Der HSV kann froh sein“, verdeutlicht Weber, der sich sicher ist, dass die passende Aufstiegsfeier noch steigen wird. Selbst wiederum kann der seit kurzem zweifache Papa die Familienzeit nun schon seit zwei Monaten noch länger und intensiver genießen als ursprünglich geplant: „Das ist natürlich erstmal ungewohnt, weil man sonst permanent am Sportplatz steht, aber ich genieße die Zeit trotzdem.“ Pausieren wird der 39-Jährige dennoch erst einmal – auch wenn er seinem Team eines verspricht: „Ich werde mich oft genug am Sportplatz blicken lassen.“