Coach Weber stinkt Art und Weise des Gegentors

 

Mit Blick auf die so enge Tabelle und das schwierige Restprogramm in 2018 wollte der Hünfelder SV unbedingt Punkte auf der Rhönkampfbahn behalten. Doch Ginsheim bot eine blitzsaubere Auswärtsleistung an, verdiente sich den Sieg, auch wenn dafür eine Standard vonnöten war.

„Manchmal ist nicht die Körpergröße, sondern die Qualität der Ausführung entscheidend“, sagte Artur Lemm bei der Pressekonferenz und blickte dabei schmunzelnd in Richtung Mario Rohde. Hünfelds Abteilungsleiter hatte zuvor jedem, der ihm über den Weg lief, mitgeteilt, dass ihn das entscheidende Tor extrem wurme. „Das sind ja alles keine Hünen gewesen“, stellte Rohde trefflich fest, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Gegnern war Hünfeld gegen Ginsheim in Sachen Körperlichkeit überlegen. Doch wenn, wie in der entscheidenden Szene, Rechtsverteidiger Lukas Manneck ohne jeden Geleitschutz aus kurzer Distanz eine platzierte Ecke einköpfen darf, spielt auch die Körpergröße keine Rolle mehr (61.). „Wir mussten mit unheimlich viel Aufwand verteidigen und verteidigen dann so einen Eckball, der nur ganz wenig Aufwand erfordert, nicht“, fauchte HSV-Coach Dominik Weber und stellte fest, „dass das ja die siebte, achte Standard gegen uns war – da muss ganz einfach die Zuordnung passen“. Dass sein Team einen immens hohen Aufwand betreiben musste, um nicht schon früher in Rückstand zu geraten, lag schlichtweg an einem starken Gegner, der wie ein Heimteam auftrat. Mit ganz frühem Pressing beraubte Ginsheim dem HSV seiner spielerischen Stärke. Hünfeld wusste sich im kompletten Spiel beinahe nie mit dem über Wochen gewachsenen Selbstverständnis nach vorne zu kombinieren. Nur ein einziges Mal klappte das, doch da hielt Ginsheims Keeper Lukas Langenstein per starkem Fußreflex gegen Maximilian Fröhlich (39.). Den Ausgleich hätte einzig der starke Niclas Rehm besorgen können, ließ sein Stürmergen allerdings vermissen, als er den schlechter postierten Christoph Neidhardt bedienen wollte (82.). „Wir haben es gut zu Ende gespielt, befinden uns in einem Hoch und haben verdient gewonnen“, fasste Lemm treffend zusammen, weil er auch die guten Möglichkeiten von Simon Geisler (65.) und Alexander Scholz (79.) nicht vergessen hatte. Dass sein 4-3-3-System allerdings so gut funktionieren konnte, lag an der schwachen Zentrale des HSV. Die Schaltstelle agierte zu oft kompliziert, schenkte die Bälle zu schnell und zu leicht her und hatte in den Zweikämpfen meist das Nachsehen. Und ohne längere Ballbesitzzeiten mangelte es dem Hünfelder SV auch an Sicherheit und Stimmung am Platz. Zu viele Defizite, um in der Hessenliga zu punkten.

Autor: Johannes Götze

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