Hünfeld – Von Jakob Vogel – Gegen den designierten Meister FC Gießen hat der Hünfelder SV über 80 Minuten in Unterzahl gut mitgehalten, die Spielstärke der Gäste weitestgehend unterbunden und einen großen Kampf geliefert. Von alledem konnte sich der HSV aber nichts kaufen und verlor letztlich mit 0:3 (0:1) – der nächste Rückschlag im Klassenkampf der Fußball-Hessenliga (update).

Es dauerte gerade einmal sechs Minuten, da wurde der Matchplan von Hünfelds Trainer Dominik Weber, der die Gießener mit einer Fünferkette empfing, über den Haufen geworfen. Ein langer Ball der Gäste fand Damjan Marceta, der von Hünfelds Innenverteidiger Niclas Rehm nur noch durch eine Notbremse zu stoppen war. Schiedsrichter Mirko Radl zeigte auf den Punkt und Rehm noch dazu die Rote Karte, den fälligen Elfmeter verwandelte Timo Cecen eiskalt. „Wenn man Foul pfeift, muss man Rot geben. Die Frage ist, ob man überhaupt pfeifen muss. Der Ball ist etwas zur Seite gesprungen, das heißt, die Situation wäre wahrscheinlich gar nicht so torgefährlich gewesen“, haderte Weber nach dem Spiel mit der strittigen Entscheidung und ergänzte: „Ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen. Wie wir heute in Unterzahl gespielt haben, war sehr stark. Man will gar nicht darüber nachdenken, was zu elft möglich gewesen wäre.“

Nach dem Platzverweis sortierten sich die Haunestädter und verteidigten leidenschaftlich, sodass die Gäste Schwierigkeiten hatten, das Ergebnis in die Höhe zu schrauben. Abgesehen von zwei kleinen Möglichkeiten durch Cem Kara (15.) und Brian Mukasa (33.) konnten sich die Mittelhessen keine nennenswerte Torchance im ersten Durchgang erspielen. Der HSV bestätigte hingegen das Phänomen, dass Fußballmannschaften nach einem Platzverweis oftmals noch enger zusammenrücken und sogar besser spielen als zu elft.

Im zweiten Durchgang tat sich der FCG, der von rund 50 mitgereisten Fans das ganze Spiel über tatkräftig und lautstark unterstützt wurde, ähnlich schwer wie vor dem Seitenwechsel. Erst als HSV-Keeper Sebastian Ernst den Ball in die Beine von Mukasa spielte und nur noch in letzter Not retten konnte (56.), wurden die Gäste etwas stärker. Nach gut einer Stunde stand dann Gießens Ricardo Antonaci innerhalb von kurzer Zeit zweimal im Mittelpunkt: Erst setzte der Rechtsverteidiger einen Ball an den Pfosten (60.), ehe er zum Flugkopfball ansetzte, doch Steffen Witzel klärte seinen Kopfball auf der Linie (62.). Kurz nach den beiden Antonaci-Chancen hatte Hünfelds Kevin Krieger plötzlich den Ausgleich auf dem Fuß, doch der Schuss des Offensivmannes konnte von Gießens Schlussmann Frederic Löhe pariert werden. Schließlich passierte in 78. Minute das von vielen HSV-Fans Befürchtete: Sebastian Ernst klärte das Spielgerät nicht konsequent genug, der eingewechselte Noah Michel blieb vor dem Hünfelder Kasten ganz cool und sorgte für die Entscheidung. Den Schlusspunkt der Partie setzte ebenfalls ein Gießener Joker: Markus Müller stieg nach einer Michel-Flanke am höchsten und wuchtete das Spielgerät unhaltbar ins rechte Eck.

Am Ende blieb festzuhalten, dass Hünfeld den rund 500 Zuschauern über weite Strecken eine extrem engagierte Vorstellung bot, von der sich der HSV jedoch einmal mehr herzlich wenig kaufen konnte, denn das Weber-Team steht weiterhin auf einem Abstiegsplatz und braucht eine nahezu perfekte Restsaison, um die Klasse noch halten zu können. Gießen hingegen hat nun elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Hessen Kassel und kann den Aufstieg in der nächsten Woche endgültig klar machen, ganz zur Freude von Mittelfeldspieler Michael Fink: „Ich glaube, dass die Entscheidung der Roten Karte vertretbar ist. Danach haben wir uns aber etwas schwergetan und wir mussten uns lange gedulden, aber am Ende ist es ein verdienter Sieg. Ich bin beeindruckt, wie schnell unsere Fangemeinschaft wächst. So ein Support bei einem Hessenligaspiel ist überragend“, so der Ex-Eintracht-Profi.

Hünfeld: Ernst – Wenzel, Faulstich, Rehm, Witzel, Vogt – Alles, Dücker (80. Fröhlich) – Rohde (67. Neidhardt) – Krieger, Münkel.

Gießen: Löhe – Antonaci, Nennhuber, Spang, Lekaj – Cecen (79. Müller), Fink – Hofmann, C. Kara (67. Solak), Mukasa – Marceta (58. Michel).

Schiedsrichter: Mirko Radl (Biebesheim)

Tore: 0:1 Timo Cecen (7., Foulelfmeter), 0:2 Noah Michel (78.), 0:3 Markus Müller (90.+2)

Zuschauer: 500.

Rote Karte: Niclas Rehm (Hünfeld, 6.) – wegen Notbremse.

Giessen-2019-28