HSV-Legende Norbert Fladung

Typisch Fladung: Hier erzielt er das Siegtor in einem Spiel gegen Borussia Fulda. Im Hintergrund: Die prächtige Kulisse und oben das heutige Polizeigebäude im Rohbau. Foto: Verein

Er war einer der großen Torjäger seiner Zeit, sein Name wird vor allem beim Hünfelder SV unvergessen bleiben: Vom 1962 bis 1980 bestritt Norbert Fladung (78) für den HSV mehr als 700 Spiele, die Tore lassen sich gar nicht mehr zählen.

Nein, große Töne spucken ist nicht sein Ding. Aber je länger man in Norbert Fladung hineinhört, desto mehr Stolz kommt zum Vorschein. Stolz auf seine eigenen Fähigkeiten, aber vor allem Stolz auf das, was er und seine Teamkollegen des HSV in ihrer Zeit alles erreicht haben.
1962 kam Fladung vom Rasdorfer SC in die Rhönkampfbahn. 20 Jahre war er damals jung. Bis dato hatte er die Schüler- und Jugendmannschaften des RSC durchlaufen, dann machte Fladung mit der Empfehlung von 52 Saisontreffern für Rasdorf nachhaltig auf sich aufmerksam.
Entdeckt wurde der gelernte Schreiner aber erst, als er beruflich zum Bundesgrenzschutz wechselte und dort ein Spiel mit der BGS-Mannschaft absolvierte. „Da ist einer, der schießt alles weg“, hieß es damals. „So kam dann der Kontakt nach Hünfeld zustande“, erinnert er sich heute. Es war der Beginn einer einzigartigen Karriere.

Die Liste der Erfolge ist jedenfalls lang: 1963/1964 holte sich Fladung mit 34 Saisontreffern gleich mal die Krone des Torschützenkönigs in der Hessenliga.

Es war die Mannschaft um Spieler wie Kapitän Bernie Jansen, Pit Wittrowski und Karli Kircher. Platz fünf in der Hessenliga ist bis heute das beste Resultat der gesamten Vereinshistorie.
Nach dem Abstieg 1967 war es auch Fladungs Treffsicherheit zu verdanken, dass es direkt wieder nach oben ging. Seine 33 Tore bedeuteten erneut die Krone des Torschützenkönigs und die Basis für die Meisterschaft in der Verbandsliga Nord (damals noch Gruppenliga Nord).

Bis 1980 ging das immer so weiter: So um die 20 Tore hatte Fladung eigentlich in jeder Saison erzielt, außer in den beiden Jahren, als er gesundheitliche Rückschläge wegstecken musste: 1966 warf ihn ein Handbruch fast ein halbes Jahr zurück, 1971 hatte er eine Grippe übergangen und lag vier Monate in einer Gießener Klinik. „Da haben mir viele prophezeit, dass es mit dem Fußball vorbei sei. Aber ich kam wieder“, sagt er heute.

Eintracht und Kickers klopften an

Norbert Fladung heute. Foto: Ralph Kraus

Mit Karli Kircher wurde Fladung auch mehrfach in die Hessenauswahl berufen. Gleich im ersten Spiel, beim 2:0 gegen das Rheinland, machte Fladung beide Tore. Doch dem Treiben machte er rasch ein Ende. „Karli Kircher und ich standen schon auf dem Platz, haben uns aufgewärmt, dann kamen kurz vor dem Spiel die Spieler von Eintracht Frankfurt mit ihrem Mercedes vorgefahren, haben sich umgezogen und gespielt. Kircher und ich saßen draußen. Darauf hatte ich keine Lust, und das habe ich dem Trainer dann so gesagt. Danach bin ich nicht mehr hingefahren“, so Fladung.

Angebote gab es in all den Jahren einige: „Jürgen Grabowski wollte mich nach einem Spiel mal gleich mit zur Frankfurter Eintracht nehmen. Kickers Offenbach hatte mich eingeladen. Aber ich war schon immer sehr heimatverbunden, hätte sowieso nur Heimweh gehabt“, sagt Fladung heute lachend.

Highlights seien die Spiele gegen Borussia Fulda gewesen. Besucherzahlen um die 5000 gab es öfter. „Das waren besondere Spiele. Ich kann mich noch an einige erinnern, die ich mit meinen Toren entschieden habe. Einmal sogar in Fulda, als sich keiner meiner Mitspieler traute, gegen den damals überragenden Himmelmann zu spielen. Also bin ich in die Abwehr gegangen und habe Himmelmann ausgeschaltet. Vorne habe ich dann per Elfmeter das1:0-Siegtor geschossen.“

Heute sieht man den 78-Jährigen überhaupt nicht mehr am Sportplatz: „Ich gehe so gut wie nie an einen Platz, denn die meisten kennen mich ja sowieso nicht mehr. Aber ich interessiere mich schon für die aktuellen Ergebnisse. Ansonsten schaue ich Fußball nur noch im TV“, sagt Fladung, der seinem Sohn Thomas (früher Germania Fulda, VfL Eiterfeld, Hünfelder SV) viel mehr Talent attestierte. „Wenn der den Ehrgeiz gehabt hätte, dann hätte er Bundesliga spielen können“, bescheint ihm der Papa, der heute samt Gattin in Hofaschenbach lebt.