Die Partynacht endete erst am frühen Sonntagmorgen

 

Mit belegter Stimme stand Franz Faulstich am Sonntagvormittag Rede und Antwort. Der Derbyheld hatte – wen wundert‘s? – die Nacht zum Tage gemacht.

„Der Klassiker“, sagt Faulstich schmunzelnd, als er die Stationen der Nacht Revue passieren lässt, „erst Sportlerheim, dann Fuldaer Innenstadt und zum Schluss S-Club.“Faulstich hatte bis dahin schon Dutzende Glückwünsche erhalten, auch von alten Weggefährten aus Lehnerzer Tagen. „Viele haben mir gesagt, dass sie mir das einfach gönnen. Und es waren einige Leute dabei, von denen ich das nicht erwartet hätte.“ Der Innenverteidiger hatte vor einem Jahr keinerlei Rolle mehr beim HSV gespielt, und schwang sich dann auf zu einem der Hünfelder Aufstiegshelden. Entsprechend emotional ergriffen war er schon im Mai nach der vollführten Sofameisterschaft, nun setzte er mit seinem goldenen Tor gegen die SG Barockstadt ein neues persönliches Highlight. „Vor dem Spiel habe ich zu meinen Kumpels gesagt, dass ich, falls ich gegen Barockstadt das Siegtor schieße, eigentlich aufhören muss, da kann ja nicht mehr viel kommen“, stellt er lachend fest, um dann sogleich die HSV-Fans zu beruhigen: Auch am Samstag wird er in Waldgirmes dabei sein.
Sein Tor könnte auch so etwas wie der Dosenöffner für seine Mannschaft darstellen, die bei der Auftaktniederlage gegen Flieden noch gehemmt gewirkt hatte. „Mit der Führung haben wir an Selbstvertrauen gewonnen, irgendwann haben alle das Drumherum, die tolle Kulisse, ausblenden können und uns beflügeln lassen.“

Großer Bahnhof auf der Tribüne

Die Hünfelder Spieler zogen sich amSamstag an einfachen Aktionen hoch, Trainer Dominik Weber agierte an der Seitenlinie wie ein Irrwisch und bejubelte gewonnene Zweikämpfe zeitweise wie Tore. Und so drückte die Mannschaft den Sieg über die Ziellinie. „Schwierig zu sagen, ob das Gefühl noch schöner war als beim Meistertitel, aber besser geht‘s auf jeden Fall nicht“, fasste Faulstich zusammen. In die Reihe der Gratulanten hatte sich auch Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk gereiht, der sich wie der Bundestagsabgeordnete Michael Brand und Staatssekretär Wolfgang Dippel unter die 2700 Zuschauer gemischt hatte. Dippel, Beiratsmitglied der SG Barockstadt, war dabei der aktivste des Trios, rief den Spielern von der Tribüne immer wieder positiv zu, versuchte ihnen Mut mit auf den Weg zu geben. Nur nutzen sollte dies nichts. Und so gebührte der Applaus auf der Pressekonferenz Dominik Weber, der vorab zwar einen Sieg für möglich gehalten hatte – einen anderen Umstand aber nicht: „Dass wir das Siegtor tatsächlich nach einer Ecke erzielen, da wäre ich so nicht drauf gekommen.“ Standards­ gelten nicht gerade als Stärke der Haunestädter, die ihre Vorteile eher am Boden ausspielen wollen. Doch die körperliche Unterlegenheit war Faulstich bei der perfekt getretenen Ecke von Kapitän Julian Rohde herzlich egal, er setzte sich ausgerechnet gegen Fuldas Größten durch, Sturmkante Christopher Bieber.

Autor: Johannes Götze

 

Na, wo ist er denn? Torschütze Franz Faulstich ist nicht auf dem Bild zu sehen, aber dafür der Ball, wie er haargenau oben im Eck einschlägt. Foto: Siggi Larbig

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