„Kiste“, riefen die Mitspieler Nils Wenzel nur Minuten nach Abpfiff entgegen. Und schon da war klar, dass der HSV den Last-Minute-Gegentreffer beim 1:1 gegen Walldorf verdaut hatte.

Die Bierkiste musste Wenzel stiften, weil er in der Endphase kurzerhand die Kapitänsbinde übernommen hatte. Ein ganzes Fass hätten die HSV-Fans ihm wohl spendiert, wäre nicht dieses Gegentor gefallen, denn Wenzel hatte in der 90. Minute eine sensationelle Rettungsaktion auf der eigenen Torlinie hingelegt. Auch wegen dieser und vieler anderer Chancen stellte Gästetrainer Max Martin fest, „dass es eher zwei verlorene Punkte für uns sind. Wir hatten mehr Chancen, mehr Ballbesitz. Aber wir sind auf ein charakterlich starkes, leidenschaftliches und eingespieltes Team getroffen. Das hat mir imponiert.“

Martin hatte das Spiel treffend zusammengefasst. Der HSV musste sich erst an das nun wieder deutlich höhere Spieltempo gewöhnen und hatte in einigen Phasen auch das Glück des Tüchtigen. Doch Martin durfte auch nicht verhehlen, dass Hünfeld im Konterspiel mehrfach das Spiel hätte entscheiden können. Kapitän Julian Rohde nahm das auf seine Kappe, weil ihm zweimal der letzte Pass misslang, auch Christoph Sternstein war einmal allein auf weiter Flur in Richtung 2:0 unterwegs. Entsprechend fühlte sich das Spiel auch für HSV-Trainer Johannes Helmke nach seiner Feuertaufe nach zwei verlorenen Punkten an. Er verteilte viel Lob an sein Team und stellte fest, „dass wir mithalten können, dafür aber ans Limit müssen“.

Rochade greift sofort

Bester Hünfelder war André Vogt: Der Linksverteidiger sendete mit seiner teils aufbrausenden Art positive Signale, betätigte sich zudem als Lautsprecher und Dauerläufer. Er verzeichnete per wuchtigem Volleyschuss mit seinem schwächeren rechten Fuß die beste HSV-Chance im ersten Durchgang und initiierte mit einem tollen Diagonalball auf Sternstein das 1:0. Sternstein war gerade für den diesmal blassen Youngster Max Vogler ins Spiel gekommen und ermöglichte Reith so die Rochade von der rechten Außenbahn ins Sturmzentrum, wo der prompt mit viel Entschlossenheit Sternsteins Flankenlauf veredelte.

Geklärt ist die Torwartfrage. Sebastian Ernst wurde im Abschlusstraining mitgeteilt, dass der 23-jährige Fabian Brunner (vorerst) das Rennen gemacht hat. Brunner habe laut Helmke in der Vorbereitung absolut überzeugt, Ernst hingegen aus verschiedenen Gründen Fehlzeiten angesammelt. Dass Winter-Neuzugang Brunner Hessenliga kann, bewies er gegen Walldorf mehrfach und hätte sich bis zur 90. Minute eine Eins mit Sternchen verdient, doch dann geriet eine Faustabwehr im stark unter Beschuss genommenen eigenen Strafraum zu kurz und der flinke Japaner Takero Itoi überwand ihn doch noch. Mit einem Schüsschen aus kurzer Distanz in Zeitlupen-Geschwindigkeit.