Christoph Sternstein will durchstarten

Christoph Sternstein kommt mit seinen 24 Jahren schon äußerst erwachsen daher. Nun stehen für ihn neue Herausforderungen an: sportlich wie beruflich. Foto: Johannes Götze

Christoph Sternstein (24) ist beim Hünfelder SV angekommen. Mit zweijähriger Verspätung. Nun will sich der ehemalige Barockstädter in der Hessenliga beweisen, was ihm in Fulda nicht vergönnt sein sollte.

AdTech AdDu hast kürzlich dein Master-Studium in Regelzeit beendet. Eher die Ausnahme für einen Fußballer auf gehobenem Amateurniveau.

Was solche Sachen angeht, bin ich sehr ehrgeizig. Ich schiebe ungern Sachen auf, dazu gehören auch Prüfungen. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, will ich etwas sofort machen. Ich möchte mir für die Zukunft einfach alle Chancen wahren und mich später nicht darüber ärgern, dass ich nicht genug in die Ausbildung investiert habe, Das Berufsleben wird mich viel länger als das Fußballspielen begleiten.

Nun hast du deine erste Stelle im Bereich „Controlling“ bei Lampenwelt in Schlitz angetreten, dabei würdest du eigentlich in Herzogenaurach arbeiten.

Ich hatte bereits eine Wohnung in Nürnberg gemietet, wollte von April bis Oktober dort ein Praktikum bestreiten. Doch dann kam die Corona-Krise, Puma hat nicht nur mir abgesagt, sondern allen Praktikanten und vielen Neueinsteigern. Ich bin froh, dass Lampenwelt in diesem Moment einen Job ausgeschrieben hatte, der wunderbar zu mir passt.

Wie hattest du unter diesen Umständen deine fußballerische Zukunft geplant?

Tatsächlich hatte die SG Barockstadt für die neue Saison gar nicht mehr bei mir angefragt. Sicherlich auch im Wissen, dass ich eigentlich gar nicht mehr in der Region bin. HSV-Abteilungsleiter Mario Rohde hatte mich aber schon im Frühjahr kontaktiert. Hünfeld war für mich immer ein interessanter Verein. Entsprechend habe ich ihm gesagt, dass ich mich melde, falls es mich nach dem Praktikum wieder nach Osthessen verschlagen würde. Dann ging alles schneller und ich habe Mario angerufen.

Warum diesmal und nicht schon vor zwei Jahren? Die Gespräche sollen weit fortgeschritten gewesen sein.

Marcel Dücker und ich hatten überlegt, ob wir den Wechsel gemeinsam machen werden. Doch bei mir war irgendwann klar, dass ich nach der Saison am Sprunggelenk operiert werden muss. Als verletzter Spieler zu einem Hessenligisten wechseln, dann vielleicht ein halbes Jahr nicht spielen können und am Ende deswegen gar nicht so richtig ankommen zu können, sich kein Standing erarbeiten zu können. Vielleicht hätten sich Mario und ich uns schnell angeguckt und gesagt: Das war nichts, das hat keinen Sinn.

Marcel Dücker hat sich zu einem der Garanten des neuerlichen Hünfelder Aufschwungs herauskristallisiert. Neidisch?

Nein. Damals hatte ich 15 Tore in der Verbandsliga geschossen, genoss bei den Trainern Sedat Gören und Marco Lohsse ein hohes Standing. Ich wurde für Lehnerz auch mal in wichtigen Hessenliga-Spielen eingewechselt. Wäre Lehnerz Lehnerz geblieben, hätte ich gute Chancen gehabt, Hessenliga zu spielen. Aber dann kam die SG Barockstadt.

Warum hat es dort nicht für die erste Mannschaft gereicht?

Natürlich lag das einerseits auch an mir, an meinen Leistungen. Aber sicherlich nicht nur. Wenn du aus der eigenen Jugend kommst, fehlt dir manchmal eben auch der Name.

Und jetzt bist du davon überzeugt, beim Hünfelder SV eine tragende Rolle einnehmen zu können?

Zunächst einmal freue ich mich auf die Mannschaft, auf den Verein und auf die Vorbereitung. Da will ich anfangen mich zu beweisen. Ich weiß, dass der HSV offensiv mit Spielern wie Maximilian Fröhlich, Alex Reith, Kevin Krieger oder Julian Rohde super aufgestellt ist. Aber mein Vorteil ist, dass ich sehr variabel bin, zuletzt sogar mal Rechtsverteidiger gespielt habe. Ich schätze Trainer Johannes Helmke so ein, dass er samstags nach Leistung aufstellt. Und ich werde alles investieren, um ihn von mir zu überzeugen. Wenn ich fit bleibe, denke ich, dass ich der Mannschaft weiterhelfen und mich in der Hessenliga beweisen werde.

Autor: Johannes Götze