Finanzielle Zuwendungen vom HFV an Clubs nicht möglich

Mario Rohde (links, aus Hünfeld zugeschaltet) war Gesprächspartner beim „Heimspiel“ im hr-fernsehen. Foto: hr

Mario Rohde war am Montag im HR-Fernsehen in seiner Funktion als Abteilungsleiter von Verbandsligist Hünfelder SV zu Gast in der Sendung „Heimspiel“ zugeschaltet. In einer illustren Gesprächsrunde ging es um die Zukunft des Amateurfußballs in den aktuellen Coronazeiten.

Moderator Markus Philipp begrüßte neben Rohde auch den Präsidenten des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), Stefan Reuß, sowie live im Studio Friedrich Curtius, den Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die halbstündige Talkrunde brachte einige interessante Aussagen zu Tage. Auf die Frage von Rohde angesprochen, wie denn ein Rettungsschirm für die Amateurvereine aussehen könnte, machten die beiden Verbandsvertreter jedenfalls klar: „Der DFB darf keine direkten Zuwendungen in finanzieller Form an die Vereine weitergeben. Wir haben längst den Austausch mit der Politik gestartet und ein Programm ins Rollen gebracht, wie wir die Liquidität der Unterverbände, in dem Fall des HFV, gewährleisten können. Es wird aber keine Rettungsschirme an die verschiedenen Vereine in dem Sinne geben können“, verdeutlichte Curtius.Auch Stefan Reuß machte den Clubs wenig bis überhaupt keine Hoffnung, dass Gelder an Clubs fließen könnten. „Weil wir ein gemeinnütziger Verein sind, dürfen wir das als HFV überhaupt nicht. Vielmehr müssen wir nach Wegen suchen, wie wir die Vereine eventuell finanziell entlasten könnten.“ Reuß hat da bereits erste Ideen: „Das Schiedsrichter-Pflichtsoll und die Bestrafungen dahingehend werden dieses Jahr definitiv nicht erhoben. Dieses Geld bleibt schon mal bei den Vereinen.“ Viel größere Probleme sieht Reuß in Sachen weitere Fortführung der Saison auf sich zukommen. Derzeit stellen sich drei Fragen: Wann geht es weiter? Geht es überhaupt weiter? Was passiert, wenn die Saison tatsächlich nicht zu Ende gespielt werden könnte?

„Ein Saisonabbruch wäre haftungsrechtlich ein riesiges Problem für uns und den DFB, denn da könnten eine ganze Reihe an Regressansprüchen an den Verband aufkommen. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein und jede Entscheidung, die wir irgendwann mal fällen, ganz genau prüfen. Da geht es um existenzielle Dinge“, so Reuß. Ein weiteres Thema, was den hessischen Fußballboss viel beschäftigt, ist die Nachwuchsarbeit: „Wir müssen sehen, dass wir die Jugendlichen über die fußballlose Zeit bei der Stange halten. Wir dürfen nicht so viele Kinder verlieren und es womöglich noch mit einem Mitgliederschwund zu tun bekommen.“
Als Alternative zum eventuellen Saisonaus wurde auch die Möglichkeit genannt, womöglich wie bei den Profis auch im Amateurbereich mit Geisterspielen zu arbeiten. Dem erteilte Reuß aber gleich eine deutliche Absage: „Wie soll das gehen? Profis können wir separieren, von der Öffentlichkeit fernhalten. Das ist bei den Amateuren nicht machbar, denn die Leute gehen allesamt arbeiten, könnten sich stündlich irgendwo neu anstecken. Wir würden also eventuell einen Null-Effekt auslösen. Das scheidet komplett aus“, so Reuß.

Am kommenden Samstag findet die Verbands-Vorstandssitzung statt. Große Ergebnisse dürfen die Vereine von dieser Videotagung nicht erwarten. „Wir können am 4. April keine Entscheidung treffen, weil ja sowieso bis zum 19. April alles außer Kraft gesetzt ist. Einzelne Gebiete haben ihre Sportstätten schon jetzt über dieses Datum hinaus weiter gesperrt. Wir können nichts anderes tun, als mögliche Szenarien und ihre Folgen zu besprechen“, erklärt Reuß, der alle bereits vorwarnt, „dass es – egal wie es weitergehen und wie entschieden wird – Gewinner und Verlierer geben wird. Das lässt sich nicht vermeiden.“ Mario Rohde sieht die ganze Lage indes skeptischer und macht deutlich: „Es wird keinen Gewinner geben. Der Verlierer wird der Fußball sein – so oder so.“