Hünfelds Coach macht Schluss und zieht ein Fazit

Seit beinahe fünf Jahren mit Ehefrau Anja verheiratet, seit fast 20 Jahren bei der Sparkasse beschäftigt und seit 2007 für den Hünfelder SV aktiv. Dominik Weber steht auf Kontinuität, doch im Sommer wird ein Kapitel enden. Nach sieben Jahren wird der 39-Jährige sein Traineramt beim Verbandsliga-Primus zur Verfügung stellen.

Dominik Weber über…

den Entschluss aufzuhören:

Die Entscheidung habe ich nicht adhoc gefällt, weil mir am HSV sehr viel liegt, die Rhönkampfbahn zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden ist. Aber es sind einige Faktoren: Die Familie spielt natürlich mit rein, weil ich auch meine zwei Kinder aufwachsen sehen will. Dazu habe ich einen Job, der mich fordert. Bislang habe ich alle drei Dinge gut unter einen Hut bekommen, aber jetzt ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, an einer Stelle zu reduzieren. Zumal es so ist, dass ich aktuell noch jedes Training genießen kann, jede Einheit intensiv vorbereite und mich an den freien Tage frage, was ich eigentlich machen soll. Ich will nicht an den Punkt gelangen, an dem das vielleicht nicht mehr so ist.

 

die Chance, in Hünfeld als Trainer laufen zu lernen:

Das Vertrauen war Wahnsinn, dafür noch jetzt ein großes Danke an den Vorsitzenden Lothar Mihm und den damaligen Abteilungsleiter Joachim Hess. Mein Credo ist, dass eine Mannschaft, die erfolgreich sein will, sich entwickeln muss. Dafür müssen viele Rädchen ineinander greifen. Ich bin ein großer Freund von Kontinuität, die wurde mir geboten und das zeichnet den HSV aus, auch deswegen ist die Adresse so attraktiv.

Dinge, die anders hätten laufen können:

Ich war zuerst jemand, der dachte, dass er schon alles weiß. Aber es ist existenziell, sich als Trainerneuling das notwendige Know-How anzueignen. Für Trainingssteuerung und Mannschaftsführung sind entsprechende Trainerscheine unabdingbar. Damit hätte ich früher beginnen sollen. Auch ist auf Hessen- oder Verbandsliganiveau ein gutes Trainerteam mit einem fähigen Co-Trainer unabdingbar. Mit Simon Grosch habe ich seit dieser Saison so einen an meiner Seite, das hätte ich schon Jahre früher einfordern sollen.

die schlimmsten Erfahrungen:

Das waren vor allem persönliche Sachen: Die Verletzungen von Niclas Rehm, Steffen Witzel oder jetzt Kevin Krieger, weil ich dahingehend selbst gebrandmarkt bin und den Spielern auch deshalb so viel Unterstützung wie möglich geben wollte und will. Sportlich in allererster Linie der Abstieg im Sommer. Anders als der erste, als die Qualität ein Stück weit gefehlt hat, waren wir durch zwei ganz schlechte Phasen selbst Schuld.

die Highlights:

Ein absolutes Highlight war das 6:3 gegen Sand in der Meistersaison. Wir lagen 1:3 hinten, ich saß kauernd auf der Bank und dann war es einfach nur Wahnsinn, was die Jungs abgeliefert haben. Auch das 2:0 im Jahr nach dem Abstieg zu Hause gegen den haushohen Favoriten Borussia Fulda oder das 1:0 gegen die SG Barockstadt im Vorjahr waren absolute Highlights. Und natürlich die Verbandsliga-Meisterschaft vor anderthalb Jahren.

den Trainer Dominik Weber:

Ich habe mit einigen Spieler noch selbst gespielt und gerade deshalb probiert, immer alle gleich zu halten. Vielleicht ist es aber sogar so, dass ich von denen, mit denen ich selbst gespielt habe, etwas mehr gefordert habe, was am Trainingsplatz auch mal zu Reibereien führt. Mein Credo ist, dass der Erfolg der Mannschaft ganz oben steht und dass man dafür nur in gewisser Weise Rücksicht auf persönliche Gegebenheiten nehmen darf. Das gilt auch für mich, ich bin nach einer Niederlage der erste, der sich hinterfragt, aber diese Demut und Selbstkritik erwarte ich auch von den Jungs. Das ist entscheidend, um authentisch zu sein und sein Gesicht zu wahren. Klar ist es so, dass ich einem Führungsspieler einen freien Tag mehr als einem Youngster zugestehe. Wichtig ist , dass alle Spieler ihre Qualität für die Mannschaft einsetzen, und ich als Trainer bei einer mal etwas längeren Leine nicht ausgenutzt oder hintergangen werde. Und das Gefühl hatte ich nie.

Form und Ziele:

Ich bin zwei Mal aus der Hessenliga abgestiegen und einmal Verbandsliga-Meister geworden. Die Statistik möchte ich natürlich noch ausgleichen und dafür tut die Mannschaft und das Trainerteam viel. Wir wollen nach der Winterpause mit gleichen Leistungen unsere Position verteidigen. Ich sage immer zu den Jungs, dass, wenn sie ein gutes Spiel abgeliefert haben, dies die Benchmark ist. Natürlich ist eine Topleistung nicht immer möglich, weil auf der anderen Seite auch elf Spieler stehen. Aber als Trainer hast Du die Vorstellung, jede Woche ein perfektes Spiel zu sehen. Und das ist nicht nur das 4:0 gegen Johannesberg, sondern auch das 1:0 in Sandershausen, wo kein Hurra-Fußball entscheidend ist, sondern andere Dinge gefragt sind. Aktuell befinden wir uns in dem Fahrwasser, nahezu jede Woche das perfekte Spiel abzuliefern. Die Winterpause kommt zum falschen Zeitpunkt.

das, was nun kommt:

Ich will die A-Lizenz absolvieren, weil sie der letzte Schritt für Trainer auf unserem Niveau ist und man da richtig viel mitnehmen kann. Sicherlich werde ich auch wieder öfter die Fußballschuhe selbst anziehen und für die Alten Herren kicken und wieder mal ein paar Jugend- oder andere Highlightspiele der Region gucken. Und sicherlich werde ich einerseits öfters nach Kirchhasel zu meinem Heimatverein fahren und ab und an mal bei der TSG Mackenzell vorbeischauen, der Sportplatz ist vor meiner Haustür, die Würstchen sind gut und die Jungs sind in Ordnung.

Autor: Johannes Götze

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