Reaktionen zum Verbandsligaschlager

 

Alle Protagonisten des Verbandsligagipfels zwischen Hünfeld und Flieden (2:4) waren sich einig: Die Rhönkampfbahn hatte 90 packende, intensive und häufig hochklassige Minuten gesehen. Einen Fight, der mehr als 600 Zuschauer verdient gehabt hätte. Die Fliedener haben die wohl größte Hürde in Richtung Titel dank ihres langen Atems genommen, in Hünfeld reifte einmal mehr die Erkenntnis, dass über die ganze Saison gesehen wenige, aber nicht unwesentliche Nuancen gefehlt haben, um schon in diesem Jahr mit den ganz Großen der Liga mitpinkeln zu können.

Meik Voll war entsprechend aufgewühlt, aber vor allem extrem erleichtert: „Eines steht fest: Dieser Sieg war ein unfassbar ehrlicher. Hünfeld hat uns wirklich alles abverlangt. Das Tempo, was beide Teams gegangen sind, war der Wahnsinn.“ Letztlich habe seine Mannschaft trotz einiger Nackenschläge wieder einmal Beharrlichkeit bewiesen. „Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Spiele wir in der Schlussphase noch zu unseren Gunsten umgebogen haben. Die Truppe hat Moral und Körner. Hut ab!“

Neben Fabian Schaub stachen im Derby vor allem die Youngster hervor. Da wäre zum einen Niko Zeller: Der Innenverteidiger aus Jossa spielte mit seinen 18 Jahren gegen Sebastian Schuch abgeklärt wie ein alter Hase. „Klar war das heute ein besonderes Spiel, weil Schuch einer der besten Angreifer der Liga ist. Ich konzentriere mich aber in erste Linie auf mein Spiel, und das klappt ganz gut“, gab sich Zeller ganz bescheiden. Mit Zeller hat bis vor kurzem auch Moritz Lingenfelder noch in der Fliedener A-Jugend gekickt, der in den letzten gut 20 Minuten ein wenig überraschend für Marc Götze ins Derbywasser geschmissen wurde. „Marc war gelb vorbelastet, und über seine linke Seite ging durch Hünfelds Fröhlich mehr als über Neidhardt rechts. Deshalb habe ich Mo gebracht, zumal er unter der Woche super Trainingseindrücke hinterlassen hat“, erklärte Voll den Wechsel.

Die Geschichte des Spiels hätte jedoch fast ein Joker auf der anderen Seite geschrieben: Felix Kircher, seines Zeichens Spielmacher der Hünfelder Handballer, die vor kurzem in die Oberliga aufgestiegen sind. Das sportliche Multitalent mit dem Dauergrinsen kam in der 80. Minute rein und drückte nicht mal zwei Minuten später bei seinem Verbandsliga-Saisondebüt den Ball zum 2:2 in die Maschen.

„Das wäre natürlich eine Hammerstory gewesen. Letztlich haben wir aber Fabian Schaub nicht in den Griff bekommen. So ist mein Tor letztlich für die Füße“, war Kircher ehrlich. Sein Trainer Dominik Weber hatte den Allrounder reingeworfen, „weil den Felix das gar nicht juckt, was das für ein Spiel ist und gegen wen es geht. Der ist dermaßen unbekümmert, deshalb war er für mich in diesem Spiel eine ernsthafte Alternative.“

Spiegelbild der HSV-Saison

Bei aller Enttäuschung über die knappe Niederlage war Weber stolz auf seine Truppe. „Ich hebe nicht gerne Personalmiseren hervor, aber angesichts unserer heutigen Ausfälle beziehungsweise der Fehlzeiten von Spielern im Training war das klasse, was wir hier auf den Rasen gebracht haben. Alleine das Tempo war der Hammer. Als ich nach sieben Minuten auf die Uhr geschaut habe, dachte ich, es wären schon 25 gespielt.“ Vier Gegentore waren freilich zu viel – wieder einmal. „Das ist einfach der Tick, der uns die ganze Saison über gefehlt hat. Hinten agieren wir zu fehlerbehaftet, das können wir vorne nicht kompensieren.“ Das Momentum hatten die Hünfelder nach einer gut einer Stunde eigentlich auf ihrer Seite, als die Fliedener langsam zu hadern begannen. „Bitter, dass Sebastian Schuch da das 2:1 liegen lässt und die Fliedener dann mit ihrer ersten Chance im zweiten Durchgang das Tor machen“, so Weber.

Wie dem auch sei: Am Ende gingen die Fliedener auch im 28. Ligaspiel in Serie nicht als Verlierer vom Platz. Der Weg zum Titel ist nun frei. Ein Sieg am kommenden Sonntag (15 Uhr) gegen Lehnerz II, und die Buchonen kehren nach einem Jahr wieder in die Hessenliga zurück. Meik Voll schwörte sein Team umgehend nach Abpfiff auf das nächste Derby ein. Zwischen 16.52 Uhr und 17.01 Uhr waren die Fliedener in der virtuellen Tabelle bereits Meister, ehe Dauerkonkurrent Sand in Willingen noch drei Tore erzielte und am Ende souverän 3:0 gewann. Auf der Fliedener Bank wurde das Spiel des Rivalen nicht thematisiert, für Verärgerung im Lager der Gäste sorgte daher umso mehr, dass das Resultat aus dem Spiel in Willingen während des Derbys gleich zweimal über den Lautsprecher durchgegeben wurde.

Autor: Christian Halling

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