Hünfeld (pf) – www.osthessen-zeitumg.de

Nach vier Jahren Abstinenz kehrt der Hünfelder Sportverein in der kommenden Saison wieder in die Fußball-Hessenliga zurück. Dabei begann die abgelaufene Spielzeit zunächst holprig, dank einer überragenden Serie stürmte der HSV aber schon Ende November an die Tabellenspitze der Verbandsliga und gab den Platz an der Sonne bis zum Ende nicht mehr ab. Trainer Dominik Weber blickt insgesamt zufrieden auf die Saison sowie ihre Highlights zurück und freut sich bereits auf die Duelle mit der SG Barockstadt.

Fotos: Christine Görlich

„Man muss sagen, dass es im Endeffekt auch für uns nicht so zu erwarten war. Man nimmt sich viel vor und ich bin jemand, der immer das Maximum fordert. Aber rechnen konnte man damit nicht. Umso schöner ist es, dass es jetzt geklappt hat“, gibt HSV-Coach Dominik Weber nach der gewonnenen Meisterschaft zu, der im Sommer 2013 die Nachfolge von Oliver Bunzenthal in der Haunestadt antrat, in seinem ersten Jahr als Trainer direkt als Tabellenletzter aus der Hessenliga abgestiegen war und nun wieder in selbige zurückkehren wird. Damals spielten beispielsweise noch die Sportfreunde Seligenstadt im hessischen Oberhaus, die in diesem Sommer den Gang in die Kreisoberliga antreten müssen. Hünfeld dagegen erreichte in der ersten Saison nach dem Abstieg Rang zwei hinter Borussia Fulda, scheiterte in der Aufstiegsrunde aber an Rot-Weiß Frankfurt und landete in der darauffolgenden Spielzeit nur auf Platz acht. Nach dem dritten Rang in der vergangenen Saison hinter dem SSV Sand ließ der HSV nun jene Sander hinter sich und tütete die Meisterschaft schon drei Spieltage vor Saisonende ein. „Dieses Jahr hatten wir kein großes Verletzungspech. Das spielte mit Sicherheit auch eine Rolle“, sagt Weber, der mit Tarek Belaarbi, Sebastian Ernst und Niklas Wahl nur drei Langzeitausfälle zu beklagen hatte.

Dabei lief es für die Hünfelder zu Beginn der Spielzeit im vergangenen Sommer zunächst nicht nach Plan: Auf den wichtigen 3:2-Auftaktsieg gegen Eschwege folgte eine 3:5-Pleite bei Aufsteiger FSV Dörnberg – ein „Dämpfer“, wie Weber im Nachhinein meint. Am dritten Spieltag schien die Welt nach dem 3:0 gegen CSC Kassel wieder in Ordnung, doch eine Woche später setzte es eine bittere 0:4-Derbyklatsche in Johannesberg. „Da hätte man fast schon sagen können, dass du einen Haken an die Saison machen kannst“, ist Weber ehrlich. Wenige Wochen benötigte der HSV dann noch, um sich zu fangen, bevor eine überragende Serie mit 15 Partien ohne Niederlage folgte. Zwischenzeitlich gewann Hünfeld sogar elf Spiele am Stück – darunter das 6:3 Mitte Oktober gegen den SSV Sand, als der Meister nach einem 1:3-Rückstand fünf Tore innerhalb von weniger als 35 Minuten erzielte. „Das war mit Sicherheit unvergesslich“, schwärmt Weber, der sich mindestens genauso gerne an das Rückspiel gegen den SSV zurückerinnert, was sein Team Ende April mit 4:2 gewinnen konnte: „Das war vielleicht der Meistertrumpf.“

Schon mit dem 4:2-Erfolg gegen Dörnberg am 26. November – gleichzeitig das letzte Spiel des Jahres 2017 – kletterte der HSV an die Tabellenspitze und gab den ersten Platz in der Restrunde dann nicht mehr her. Letztendlich konnte der Meister eine Bilanz von 21 Siegen, fünf Remis und sechs Niederlagen vorweisen und stellte mit 86 Toren gleichzeitig die beste Offensive der Liga. Top-Torschütze Maximilian Fröhlich steuerte 18 Tore bei, auch Sebastian Schuch, Kevin Krieger und Christoph Neidhardt trafen zweistellig. Dennoch findet Weber rückblickend auch den einen oder anderen negativen Aspekt: „Ich hätte die Saison gerne zuhause ungeschlagen beendet“, meint der 37-Jährige und ärgert sich noch immer über die beiden „absolut vermeidbaren“ Heimniederlagen gegen Rothwesten (2:3) und Neuhof (1:2) im April. Dazu steht Hünfeld zwar auch in der Fairnesstabelle auf Platz eins, hat aber mit vier Gelb-Roten Karten und einer Roten Karte aber mehr Platzverweise kassiert als die folgenden sechs Teams in dieser Rangliste. „Da müssen wir uns cleverer anstellen“, stellt Weber klar.

Eine positive Erscheinung der Saison sei dagegen Franz Faulstich gewesen: „Vorher hatte ihn niemand auf dem Zettel. Aber er hat seine Chance mehr als ordentlich genutzt und war dann nicht mehr aus dem Team wegzudenken“, lobt Weber seinen Innenverteidiger und appelliert an die anderen Spieler, die aktuell ein wenig hintenanstehen müssen: „Wenn man Geduld hat und Trainingsleistungen bringt, kriegt man irgendwann die Chance.“ Auch die beiden Neuzugänge Sven Bambey und Marius Bublitz, die vor der Saison aus Leusel kamen, sowie die Youngster Sebastian Körner, Nicolas Häuser und Keeper Jonas Hosenfeld hebt Weber heraus. Dazu habe Julian Rohde, der vom SV Steinbach nach Hünfeld zurückkehrte, „genau das erfüllt, was wir uns von ihm erhofft hatten: Das er als Leistungsträger vorangeht.“

Ab der kommenden Saison dürfen sich die Hünfelder nun wieder in der Hessenliga beweisen, Trainer Weber freut sich dabei schon besonders auf die „Highlightspiele“ wie gegen Hessen Kassel, Gießen oder das Derby gegen die neue SG Barockstadt Fulda Lehnerz. „Es wird von Anfang an gegen den Abstieg gehen“, vermutet der Coach, der sein Team nach der Verpflichtung des Ex-Lehnerzers Andre Vogt noch auf wenigen Positionen punktuell verstärken möchte, ansonsten aber der Meistermannschaft der abgelaufenen Saison vertraut. „Wir werden die Mannschaft nicht komplett verändern. Erstens ist das überhaupt nicht unsere Philosophie und zweitens haben es sich die Jungs verdient, die auch den Aufstieg gepackt haben. Wir wollen die Euphorie mitnehmen“, verdeutlicht Weber, der das Meisterjahr seiner Truppe auch durch das verlorene Kreispokalfinale gegen Steinbach nicht getrübt sieht: „Im Endeffekt ist es nicht verkehrt, dass wir die Last mit dem Hessenpokal nicht haben, sondern uns voll und ganz auf die Saison konzentrieren können.“

Am 22. Juni wird Weber seine Spieler wieder auf die Rhönkampfbahn zum Trainingsauftakt bitten. Zunächst steht für die Hünfelder Mannschaft – jedoch ohne ihren Trainer –  am zweiten Juni-Wochenende aber noch der „obligatorische“ Mallorca-Urlaub an, den sich der Meister nach einer starken Saison redlich verdient hat. „Die Jungs sollen es genießen und einfach den Kopf freikriegen“, sagt Weber.