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Sieben Teams aus der Region Osthessen, ein großer Favoritenkreis und hohe Attraktivität: Das ist die Fußball-Verbandsliga Nord in der Saison 2019/20. Im Kampf um die Spitze und den Liga-Verbleib ist wieder Spannung garantiert, die hiesigen Fans fiebern zudem den zahlreichen Derbys entgegen. Am Samstag geht es endlich los.

Der Hünfelder SV und Buchonia Flieden treffen sich in dieser Saison in der Verbandsliga wieder. Foto: Christine Görlich

Fast die Hälfte der Liga ist neu im Vergleich zum Vorjahr: Sechs Aufsteiger, darunter die SG Ehrenberg, kämpfen um den Klassenverbleib, während die Absteiger aus Hünfeld und Flieden einmal mehr zum Favoritenkreis zählen und einen Trend fortführen wollen: Seit 2015 stand am Ende immer ein osthessischer Club an der Tabellenspitze, der letzte Meister aus Nordhessen war 2014 der 1. FC Schwalmstadt – mittlerweile Gruppenligist.

Als größter Favorit auf die Meisterschaft wird von einigen Konkurrenten der Hünfelder SV genannt, bei dem Trainer Dominik Weber aber schon zu Beginn der Vorbereitung von einer ausgeglichenen Klasse sprach, vor allem in der Spitze. Der HSV wolle „ganz oben dabei sein“, für den Titel müsse jedoch vieles passen. Auch viele unbekannte Teams erschweren die Aufgabe etwas, zum Auftakt wartet mit Nachrücker Körle schon genau ein solches.

Nicht weniger tief siedeln viele Clubs den SV Flieden an, der in der Vorbereitung jedoch mit Personalsorgen zu kämpfen hatte, die noch nicht abgeklungen sind. Aber auch der eigene Anspruch der Buchonia ist, ein Wörtchen um die vorderen Plätze mitzureden: „Das wollen viele, aber irgendwann im Winter ist die Luft raus. Die Meisterschaft ist ein langer Prozess, zu dem viel Faktoren gehören“, weiß Trainer Zlatko Radic, der erstmal zehn Spieltage abwarten möchte – „dann können wir schauen. Aber Hünfeld ist für mich die stärkste Mannschaft“. Die Vorfreude auf die Runde ist im Königreich dennoch riesig: „Die Liga ist nicht weniger interessant als die Hessenliga und man braucht für viele Spiele keinen Bus mehr. Auch die Jugendspieler können eher reinfinden, es gibt viele Derbys und wenn wir oben mitspielen, freuen wir uns. Ein guter Start ist die halbe Miete“.

Viele Teams profitierten von den Rückzügen von Lohfelden und Eschwege, besonders der CSC Kassel (unter anderem Roy Keßebohm, Enis Salkovic und Daniel Beyer) konnte einige Akteure abgreifen, sodass die 03er unter den nordhessischen Verbandsliga-Teams derzeit das Maß der Dinge zu sein scheinen. Aber auch Weidenhausen dürfte fast schon standardmäßig wieder eine starke Mannschaft stellen – wie nicht zuletzt auch Sand oder der OSC Vellmar, der ein Jahr nach dem Abstieg aus der Hessenliga wieder angreifen will. Nach einem erneuten Umbruch ist aber auch die SG Johannesberg wieder in Lauerstellung, die sich mit Marcel Mosch, Marius Löbig oder Jonas Lembach prominente Namen gesichert hat.

 

Rützel rechnet mit Rückschlägen

„Die Liga ist für die Zuschauer sicherlich deutlich attraktiver geworden und hat der Gruppenliga den Rang abgelaufen“, meint derweil Eichenzells Coach Heiko Rützel, dessen Team sich nach dem geschafften Klassenerhalt im Vorjahr etablieren will. Und nicht nur an Attraktivität habe die Liga gewonnen: „Sie ist in der Spitze deutlich stärker“, sagt Rützel der CSC Kassel ganz oben sieht, neben den Hessenliga-Absteigern aber auch Johannesberg auf dem Zettel hat: „Sie haben sich sehr gut verstärkt und erzielen bisher gute Ergebnisse“. Das Saisonziel der Britannia ist jedoch mit dem Klassenerhalt ein anderes – und auch hierbei gibt es große Konkurrenz: „Ehrenberg hat eine eingespielte Mannschaft mit erfahrenen Spielern“, so Rützel, dessen Eichenzeller Kader sich dagegen stark veränderte: „Das dauert, wir werden sicherlich einige Rückschläge einstecken müssen. Aber die Truppe ist charakterlich in Ordnung, wir haben einen guten Teamgeist“. In sich hat es aber der wohl schwerste Start aller Teams überhaupt: Die Britannia muss dreimal auswärts ran – bei CSC Kassel, Weidenhausen und Hünfeld, bevor es gegen Flieden und nach Sand geht. „Das kann böse enden, aber man kann auch wachsen“, weiß Rützel.

 

Ehrenberg das „Union Berlin“ der Liga

Ebenfalls um den Klassenerhalt wird wohl die SG Ehrenberg kämpfen, die beim SSV Sand startet. „Ich fahre lieber nach Sand, als gegen einen Aufsteiger zu spielen“, betont Trainer Robert Schorstein, dessen Team auf die neue Saison brennt: „Einen günstigeren Zeitpunkt, aufzusteigen, gab es aus osthessischer Sicht nicht, das ist schon cool“, spielt der Coach auf die vielen Derbys an und weiß, „dass fast alle Gegner mehr Qualität als wir haben werden. Aber übers Kollektiv können wir wahnsinnig viel wettmachen. Wir haben in der Relegation beide Gegner geschlagen und werden alles daran setzen, die Liga zu halten“. Auch für die Fans wünscht sich der Trainer den Klassenerhalt – und dazu das nötige Glück sowie wenige Ausfällt beim Abenteuer. „Es kommt mir vor, als wären wir das Union Berlin der Verbandsliga“, so Schorstein, der mit einem Augenzwinkern anfügt, dass die SGE gerne zweimal in Willingen spielen wolle, „aber das wird wohl nichts“. Ganz oben sieht hingegen auch er die hiesigen Vertreter: „Wenn eine Mannschaft aus der Hessenliga absteigt, wird sie vermutlich auch oben mitspielen. Gerade Hünfeld ist fußballerisch sehr stark“.