Johannesbergs Lothar Plappert und Hünfelds Mario Rohde vor dem Verbandsliga-Topspiel

Lothar Plappert (links) und Mario Rohde stellten sich den Fragen der Torgranate-Redaktion. Fotos: Ralph Kraus

Mehr Topspiel geht nicht, wenn in der Verbandsliga heute (14.30 Uhr) Primus Hünfelder SV auf Verfolger SG Johannesberg trifft. Im Vorfeld hat die Torgranate-Redaktion HSV-Abteilungsleiter Mario Rohde (42) und SGJ-Vorsitzender Lothar Plappert (65) zum Doppel-Interview geladen, in dem es um die verschiedenen Wege, die Zukunft und die gemeinsame Vergangenheit ging.

AdTech AdDass Mario Rohde in der Saison 2007/08 Trainer in Johannesberg war, wissen wohl nur noch die wenigsten. Mit zwei Spielen und einem Punkt blieb die gemeinsame Zeit ziemlich kurz. Steht aufgrund dieser Geschichte etwas zwischen Ihnen oder können wir entspannt ins Interview starten?

Rohde: Die gemeinsame Zeit war etwas kurzweilig und ging nur acht Wochen. Aber das war eine saubere, faire Sache, mit Lothar gab es hintenraus noch ein Gespräch. Eins dieser zwei Spiele war gegen Hünfeld II, das war wahrscheinlich das letzte Mal, dass Hünfeld gegen Johannesberg getroffen hat. So oft haben beide Seiten aber auch nicht gegeneinander gespielt.

Plappert: Mario und ich sind sogar gemeinsam zum Bonifatius-Cup nach Holland gefahren. Er hatte ausgeholfen, als mir die Spieler gefehlt haben.
Rohde: Das war eine super Geschichte zum Abschluss. Es hat noch nie etwas zwischen uns gestanden, und so ist das eben im Fußball: Wenn der Erfolg nicht da ist, ist der Trainer immer das schwächste Glied.

Plappert: Wir waren gerade in die Gruppenliga aufgestiegen und mussten am Ende wieder runter. Die ganze Saison war verkorkst.

Von der Gruppenliga sind beide Teams momentan weit entfernt, stattdessen geht es um einen Aufstieg in die Hessenliga. Hätten Sie, Herr Rohde, Johannesberg eine solche Entwicklung in dieser Saison zugetraut?

Rohde: Für uns ist das keine Überraschung. Man sieht ja, welche Transfers dort getätigt wurden, deshalb wäre es verwunderlich, wenn sie Achter wären. Bei unserer 0:3-Niederlage im Hinspiel hat man deutlich gesehen, dass der Kader sehr stark ist. Sie werden sich am Ende der Saison sicher ganz oben wiederfinden.

Plappert: Wir haben im Sommer ein gutes und glückliches Händchen bewiesen, sowohl mit den Spielertransfers als auch mit Zeljko Karamatic auf der Trainerbank. Er lebt den Fußball und hat genaue Vorstellungen. Im Vergleich zur Vorsaison ist der Kader etwas kleiner, schon da waren wir nicht schlecht aufgestellt. Wir hatten aber keinen Knipser.

Im Sommer gab es erneut einen Umbruch. Ist der Weg mit auswärtigen Spielern, teils auch aus dem Ausland, die einzige Möglichkeit, in Johannesberg höherklassigen Fußball anzubieten?

Plappert: Das ist grundsätzlich nicht der Weg, den wir suchen. Aber wir haben einige Jahre aufzuarbeiten, was die Jugendarbeit betrifft. Jetzt funktioniert unsere JSG West Ring hundertprozentig, da ist absehbar, dass in der Zukunft gute Spieler für unsere Senioren rauskommen.

Der HSV war früher im Jugendbereich eine große Adresse, zahlreiche Einheimische spielen auch in der Verbandsliga-Mannschaft. Inzwischen wurde der JFV Hünfelder Land aber von der JSG West Ring und anderen überholt. Besteht die Gefahr, dass bald keine Früchte mehr aus der Jugendarbeit geerntet werden?

Rohde: Das will ich so nicht sagen. Bestes Beispiel, wie man sich über die Jugend und Reserve in die erste Mannschaft hocharbeiten kann, ist momentan ja Aaron Gadermann, der eine tolle Entwicklung hingelegt hat. Genau das ist unser Weg. Steffen Witzel, Kevin Krieger, mein Bruder Julian, Marcel Dücker, Nicolas Häuser, Sebastian Alles, Lukas Budenz, sie alle haben bei uns in der Jugend gespielt. Diese Nachhaltigkeit ist ganz wichtig, auch der Charakter der Spieler wird mir immer wichtiger. Spieler sollen sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifizieren können. Wenn immer wieder Spieler oben rauskommen, macht der Jugendförderverein viel richtig. Wir sehen uns dort gut aufgestellt.

Plappert: Ich würde mich freuen über eine Situation wie in Hünfeld, bei uns war dies bislang nicht machbar. Unser Einzugsgebiet aus dem Kirschspiel Johannesberg, mit den Stadtteilen Harmerz, Zirkenbach und Zell, würde zum jetzigen Zeitpunkt keine B-Liga-Mannschaft auf den Platz bringen, sowohl von der Qualität her als auch von der Anzahl der Spieler. Mittlerweile profitieren wir von der Bauentwicklung in der Fulda-Galerie, unser Kooperationspartner im Jugendbereich, die SG Sickels, war das Auffangbecken für viele Spieler.

Würde die SG Johannesberg lieber mit einer Mehrzahl aus einheimischen Spielern eine gute Rolle in der Gruppenliga spielen oder die Hessenliga anvisieren?

Plappert: Langfristig wären wir sicherlich mit einer Gruppenliga-Mannschaft zufrieden. Wir wollen nicht mit aller Macht in die Hessenliga, aber in den letzten Jahren ging es immer aufwärts, so dass man sich jetzt mit dem Thema beschäftigen muss. Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft, habe von der B-Liga bis zur Verbandsliga alles erlebt. Irgendwann wird sich die Frage stellen: Was passiert nach mir? Aber solange es mir gut geht, werde ich dem Verein zur Verfügung stehen.

Was müsste infrastrukturell bei einem Aufstieg passieren? Der Hünfelder SV ist an dieser Stelle sicherlich zwei, drei Schritte weiter …

Plappert: Vielleicht würden wir gegen die SG Barockstadt einfach beide Spiele im Stadion spielen (lacht). Es ist ja das Stadion das Stadt Fulda, wo jeder spielen darf, und nicht das Stadion der SG Barockstadt. Grundsätzlich müssen wir uns aber nicht verstecken im Vergleich zu anderen Vereinen. Unser Ziel ist es jetzt noch, in Zusammenarbeit mit der Stadt einen Kunstrasenplatz zu bauen. Neben dem Trainingsplatz könnte einer entstehen, was allein schon deshalb gut wäre, weil wir ja noch die Abteilung American Football bei uns im Verein haben. Da sind 50, 60 Leute im Training, die das Feld beanspruchen.

Rohde: Unsere Infrastruktur ist natürlich hervorragend, über die Jahre wurde allerdings auch viel dafür gemacht und es wird sich selbst heute noch intensiv gekümmert. Davon profitiert nicht nur der Fußball, sondern auch die Leichtathleten. Gießens Trainer Daniyel Cimen hat letztes Jahr gesagt, er würde unser Sportgelände sofort gegen das des FCG tauschen. Und er spielt in der Regionalliga. Auch deswegen wäre es eine schöne Sache, wenn wir wieder in die Hessenliga aufsteigen sollten. Aber wenn nicht, bricht sich keiner ein Bein. Nach dem Abstieg im Sommer haben uns nur zwei Leute verlassen. Da sieht man, dass alle blaues Hünfelder Blut in sich tragen.

Geld spielt gerade in der Hessenliga eine immer größere Rolle. Wie finanzieren sich Ihre Vereine?

Plappert: Wir können uns nicht vergleichen mit Vereinen wie der SG Barockstadt, sondern sind auf viele kleine Sponsoren angewiesen. Die Sache muss leistbar sein, und wenn ich einem Spieler etwas verspreche, muss er das am Ende kriegen. Deshalb kommen manche Deals nicht zu Stande, wenn zu hohe Preise aufgerufen werden.

Rohde: Wir haben mehrere Sponsoren und machen uns nicht abhängig von einem Großen. Denn so schnell es hoch gehen kann, so schnell kann es dann wieder runter gehen. Natürlich sollen die Jungs nicht drauflegen, die Spieler opfern viel Freizeit. Die letzten Jahre zeigen uns, dass wir vernünftig arbeiten und mithalten können, schließlich haben wir in der Hessenliga gespielt. Und wann war Hünfeld das letzte Mal in der Gruppenliga? Das ist 20 Jahre her, wir bewegen uns seither im Fahrwasser zwischen Hessen- und Verbandsliga, und da fühlen wir uns wohl.

Vor dem heutigen Topspiel haben beide mit angeschlagenen oder verletzten Spielern zu kämpfen. Wer ist denn nun Favorit?

Rohde: Wenn ich an das 0:3 im Hinspiel denke – und das tue ich nur ungern –, ist Johannesberg Favorit. Das liegt aber nicht daran, dass wir einige Ausfälle haben. Manchmal wird ja eine Verletztenliste aufgezählt, die zwei Mannschaften füllen könnte. Das ist respektlos gegenüber den Spielern, wenn der 15., 16. und 17. Mann plötzlich nicht gut genug ist. Unser Kader wurde so aufgestellt, dass wir verletzte und gesperrte Spieler kompensieren können.

Plappert: Auch wir jammern nicht, egal wer letztlich auflaufen wird. Hünfeld ist Favorit, alleine schon deshalb, weil sie daheim spielen. Hünfeld ist die beste Mannschaft der Liga, auch wenn wir das Hinspiel gewonnen haben. Ich erwarte fußballerisch ein gutes Spiel, wir werden unsere Chance suchen.

Vor zwei Jahren fand das Spiel unter ähnlichen Vorzeichen statt, am Ende wurde Hünfeld Meister und Johannesberg Vierter …

Plappert: Damals haben wir im Rückspiel in Hünfeld 0:0 gespielt, noch auf dem alten Kunstrasen. Der wurde zum Glück ja neu gemacht.

Rohde: Er hat jetzt andere Linien, da habe ich persönlich Sorge für getragen. Der eine oder andere aus dem Kader ist uns sehr dankbar (Hünfelds Torwart Jonas Hosenfeld sah damals die Rote Karte, weil er sich an einer falschen Linie orientiert hatte und den Ball so verbotenerweise außerhalb des Strafraums aufgenommen hatte, Anm. d. Red.).

Plappert: Hünfeld hat das Rennen am Ende verdient gemacht. Aber egal, wie das Spiel heute ausgehen wird, es wird letztlich entscheidend sein, wie eine Mannschaft aus der Winterpause kommt.

Also wäre ein Hünfelder Sieg und die damit verbundenen fünf Zähler Vorsprung keine Vorentscheidung?

Rohde: Ich sehe das wie Lothar. Egal wie das Spiel ausgeht, es wird keine Vorentscheidung sein. Die Liga hat ja nicht nur Hünfeld und Johannesberg zu bieten, sondern auch noch Willingen, Sand und Flieden, die sich noch nicht abgeschrieben haben. Wenn man eine Tabelle erstellt, in der nur die ersten fünf Mannschaften gegeneinander spielen, hat jeder am Ende des Tages eine ähnliche Punktanzahl. Entscheidend im Meisterschaftskampf sind die Zähler, die man gegen den 9. oder 14. liegen lässt.

Auf wie viele Zuschauer stellen Sie sich heute ein?

Rohde: So ein Spiel braucht einen vernünftigen Rahmen. Natürlich befinden wir uns im Monat November, aber es würde den Mannschaften nicht gerecht werden, wenn nicht mindestens 500 bis 700 Zuschauer kommen würden. Wenn sich einer in Osthessen für Fußball interessiert, sollte er zu diesem Spiel gehen.

Autor: Steffen Kollmann