Verbandsliga: HSV muss (noch) am Boden bleiben

Dass Dominik Weber und seine Mannen am Freitag nur ganz spärlich Gratulationen entgegennehmen konnten, lag einzig daran, dass sich beim 4:1-Sieg des HSV in Kassel nur ganz wenige Zuschauer auf den Kunstrasenplatz in den Waldauer Wiesen verirrt hatten. Doch Gratulationen hätten sie – so euphorisch der blau-weiße Tross auch sein durfte – ohnehin nur für einen weiteren Sieg, den elften in der Verbandsliga in Serie, angenommen. Für alles weitere ist es noch deutlich verfrüht.

Zwar ist die Führung an der Spitze allem Anschein nach nun komfortabel, allerdings hat der HSV auch die meisten Spiele im vorderen Tabellendrittel absolviert. Netto sind es so gerechnet auf Johannesberg „nur“ vier und auf Sand fünf Punkte Vorsprung. CSC 03 und Weidenhausen mit je zwölf Nettopunkten Rückstand scheinen hingegen kaum mehr in den Titelkampf eingreifen zu können. Aus einem Fünfkampf hat der HSV also zumindest ganz schnell einen Dreikampf gemacht und ist sicherlich nicht gewillt, wie im Vorjahr hinter Flieden und Sand den undankbarsten dieser Ränge einzunehmen.

Dass so schnell zumindest zwei Konkurrenten ausgestochen werden konnten, liegt am perfekten Restrundenstart, der mit einem Heimsieg am Samstag (16 Uhr) gegen Johannesberg veredelt werden könnte. Stark war vor allem der Auftritt in Kassel, auch wenn die Umstände nicht leicht waren. Die Temperaturen waren eisig, der Platz gewöhnungsbedürftig, die Umkleide mindestens 500 Meter entfernt und die Zuschauerzahl so trist, wie sie keinem Topspiel in egal welcher Liga gerecht werden würde.

50 Schaulustige waren gekommen, davon vielleicht zwei Hände voll aus der Haunestadt. Gut erreichbar ist die Sportstätte mit dem Auto nur, wenn man nicht den Fehler macht und die Adresse eingibt, die bei „fussball.de“ hinterlegt ist, denn dann müsste man eine Einbahnstraße falsch herum befahren. Doch zumindest Letzteres interessierte den HSV so gar nicht, denn Weber hatte eine Woche zuvor spioniert. Und er hatte für das Geläuf die richtigen Rezepte parat, die allerdings derzeit auch größtenteils Allgemeingültigkeit besitzen. So tritt der HSV mit breiter Brust an, legt über weite Spielstrecken eine hohe Selbstverständlichkeit an den Tag und ist zwar nicht individuell die beste Mannschaft der Liga, aber ganz sicher als Team am überzeugendsten.

Aber die Reifeprüfung ist noch längst nicht absolviert, das wurde auch am Freitag wieder deutlich: Nach der Pause, mit zehn Siegen und einer 3:0-Führung im Rücken, geriet der HSV zehn Minuten lang kräftig ins Schleudern, konnte sich kaum befreien. Das Haar in der Suppe blieb ein solches, weil in jener Phase vor allem Torhüter Christian Ruck den Durchblick behielt – und das Spielglück bei einer solchen Serie ohnehin meist auf der Seite des Sonnenkindes ist. Keine schlechten Voraussetzungen, um am Samstag dem Meisterstück wieder ein Schrittchen näher zu kommen.

Autor: Johannes Götze

CSC Kassel-02-2018-9