„Es musste was Verrücktes sein“

Daniel Kornagel wird am 5. Dezember in den Flieger steigen – ausgestattet lediglich mit einem One-Way-Ticket und allerlei Dingen, die ein Profifußballer benötigt. Der 26-jährige Offensivspieler des Hünfelder SV kehrt dem Verbandsliga-Primus den Rücken, um beim australischen Zweitligisten Adelaide Raiders anzuheuern.

„Wenn, dann musste es etwas Verrücktes sein“, sagt Kornagel. Was er meint: Der Traum als Profifußballer in Deutschland erneut Fuß zu fassen, wurde aus offensichtlichen Gründen mehrfach durchkreuzt, weswegen er nun einen Anlauf der ganz anderen Art nimmt. Über einen Berater kam der Kontakt zu mehreren Vereinen verteilt rund um den ganzen Globus zustande.

„Am meisten Hand und Fuß hatte aber ganz sicher das Angebot der Adelaide Raiders, wo ich auch mit dem Trainer sehr gute Gespräche am Telefon geführt habe“, sagt Kornagel, der dort in einem halbprofessionellen Team spielen wird. Er wird der Trainingsgruppe angehörig sein, die auch vormittags schuften wird. Nebenbei könnte zudem ein Job als Jugendtrainer im Verein locken, diese Details werden allerdings erst vor Ort besprochen. Ansonsten konzentriert sich Kornagel auf Fußball. „Und das ist nichts Neues, weil Fußball schon immer vielmehr als nur ein Hobby für mich war, ich mich 24/7 damit beschäftige.“

Adduktorenbereich als Achillesferse

Vor Ort wird der gebürtige Dermbacher am Nikolaustag sein, wo sogleich die Vorbereitung starten wird. Weil die Verbandsliga bis zum 1. Dezember spielt, wird Kornagel somit keine Winterpause zuteil. Ein wirkliches Problem stellt dies in seiner aktuellen Verfassung nicht da. „Ich muss mich ohnehin jeden Tag um meinen Körper kümmern“, sagt Kornagel und verweist auf seine beinahe jahrelange Leidenszeit. Für Carl-Zeiss Jena spielte er Junioren-Bundesliga, es folgten Stationen in Meuselwitz, Großbardorf und bei Borussia Fulda.

 

Dabei sammelte er einerseits Viert- und Fünftligaerfahrung und andererseits fortwährend neue Kapitel in seiner aufgeblähten Krankenakte. Kornagels Achillesferse ist der Adduktorenbereich. Drei Leistenoperationen musste er in den letzten Jahren über sich ergehen lassen, der Ursache wurde dabei nie auf den Grund gegangen, vielmehr sollten viel zu oft Schmerztabletten zur Spielfähigkeit verhelfen. „Schrott“, sei das gewesen, der Kopf lange Zeit nicht mehr frei für das Wesentliche, wenn er den Platz betrat. „Du hoffst einfach, dass Du Dich nicht wieder verletzt“, sagt der schussgewaltige Rechtsfuß.

Neue Heimat ist direkt am Strand

Und so machte Kornagel im Sommer einen Cut, er meldete sich beim Hünfelder SV mit „Ziel unbekannt“ ab und suchte sich bei Physiotherapeut Daniel Pfeiffer (Rückers) Hilfe. „Ihm bin ich sehr dankbar, weil er mit mir die Ursache bekämpft hat“, erklärt Kornagel. Das Narbengewebe im Leistenbereich sei durch die vielen Eingriffe extrem belastet und unbeweglich gewesen, sodass neue Verletzungen quasi programmiert waren. Damit ist nun Schluss, hofft zumindest Kornagel. „Nachdem ich wieder ein besseres Gefühl hatte, habe ich mich wieder dem HSV angeschlossen und jetzt trainiere ich seit Wochen schmerzfrei.“

Ein gutes Gefühl sei das, die Leichtigkeit auf dem Platz ist ihm anzusehen. Zuletzt traf er in fünf Spielen viermal, obwohl er nur einmal von Anfang an spielte. Mit Hünfeld will er nun die erfolgreiche Hinrunde bestmöglich zu Ende bringen und als Tabellenführer ins Flugzeug steigen. Hohe Ambitionen verfolgt auch sein neuer Club, der in der zweigeteilten australischen 2. Liga als einer der Favoriten ins Rennen gehen wird. „Einfach eine geile Saison spielen“, erhofft sich Kornagel, der einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat und die Plattform für sich nutzen will.

Doch nur Fußball hat auch er Down Under nicht im Sinn. „Adelaide liegt direkt an der Südküste, ist eine tolle Stadt, auf die ich mich sehr freue. Auch die englische Sprache noch mehr zu verinnerlichen ist ein schöner Faktor“, erklärt Kornagel, der für eine Zeitlang alles zurücklassen wird. „Aber viel hält mich in Deutschland sowieso nicht.“

Autor: Johannes Götze

Daniel Kornagel bereitet sich langsam aber sicher auf sein Australien-Abenteuer vor. Foto: Siggi Larbig

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