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Steffen Witzel zeigte als Linksverteidiger eine gute Leistung. Foto: Siggi Larbig

Das Spitzenspiel der Verbandsliga hielt nicht nur die hohen Erwartungen, es übertraf sie bei Weitem. Der Hünfelder SV drehte ein 1:3 noch in einen 6:3 (1:2)-Sieg und hält so Tuchfühlung auf den SSV Sand, Tabellenführer bleibt weiterhin der lachende Dritte, die SG Johannesberg.

HSV-Coach Dominik Weber entschied sich diesmal für ein 4-5-1-System mit einer flachen Fünferkette im Mittelfeld. Im Tor stand erneut Christian Ruck, die Abwehrreihe blieb ebenfalls unverändert. Der SSV musste hingegen auf den verhinderten Trainer Peter Wefringhaus verzichten, für ihn hatte sein „Co“ Björn Lohse an der Seitenlinie das Sagen und vertraute auf ein flaches 4-4-2-System.

Besser ins Spiel kam zweifelsfrei der HSV: Kevin Krieger nutzte eine Kerze Marcel Wippels im zweiten Versuch und traf äußerst sehenswert aus gut 20 Metern volley ins Eck, ließ sich dabei auch nicht von einem nicht geahndeten Foul stoppen, da hatte Schiedsrichter Wissam Awada (FSV Kassel) die Vorteilsreglung klasse ausgelegt. Doch wer dachte, dass sich die von Weber vor dem Spiel berichtete „Vorfreude und positive Anspannung“ spätestens jetzt auch im Spiel darlegen würde, hatte sich geirrt. Viel zu viele Spieler machten sich sprichwörtlich ins Höschen. Viel Stückwerk, wenig Linie, keine Geradlinigkeit.Zwar hatte auch Sand kaum Tormöglichkeiten, aber dennoch wirkte der hohe Meisterschaftsfavorit ganz abgekühlt, spielte seinen Stiefel runter und konnte sich auf Torjäger Tobias Oliev verlassen, der das Spiel bis zur Pause drehen konnte. Erst spielte ihn Steffen Klitsch in abseitsverdächtiger Position mit einem punktgenauen tiefen Ball frei (23.), dann legte Sturmpartner Daniel Wagner quer (41.).

Die beste Halbzeit seit Ewigkeiten

„So richtig wusste ich nicht, warum 1:2 hintenliegen“, bekannte Weber im Nachgang, fügte aber auch an, „dass ich in der Kabine etwas lauter wurde“. Seine Worte schienen aber schnell zu verpuffen, denn nach Wiederanpfiff schien alles gegen den HSV zu laufen: Sands Keeper Sascha Beetz hielt einen abgefälschten Krieger-Freistoß sensationell, im Gegenzug ließ sich Daniel Wagner nicht zweimal bitten (50.). Das Spiel schien entschieden, doch der HSV zeigte Herz und eine unfassbare Moral. Marius Bublitz traf nur drei Minuten später nach klasse Spielzug über Sebastian Körner und Krieger.

Die Rhönkampfbahn glich sechs Minuten später einem Tollhaus: Erst traf Neidhadt nach Steffen Witzels Einwurf und Kopfballverlängerung Sebastian Schuchs (58.), dann lenkte Christian Guthof eine Flanke Maximilian Fröhlichs mit der Hacke ins eigene Tor (59.). „Ich hatte das Gefühl, dass wir eigentlich alle im Griff haben, aber zwischen den Toren hatten wir quasi nicht den Ball, danach ging es für uns dahin, weil Hünfeld auch einen richtigen Lauf hatte“, meinte Doppeltorschütze Oliev, der zwar noch eine Großchance Marcel Wippels sah (65.), sonst aber klar überlegene Hünfelder beobachten musste, die das Spiel spät zumachten.
Julian Rohdes erstes Ligator nach seiner Rückkehr aus Steinbach war traumhaft: direkter Freistoß aus 25 Metern (83.); Fröhlich nutzte anschließend Sven Bambeys Steckpass eiskalt (86.). „Der Sieg gehört heute nur den Jungs“, konstatierte Weber, der in den letzten 40 Minuten die beste Leistung einer Hünfelder Mannschaft seit ganz langer Zeit mitansehen durfte, auch weil, wie Weber richtig beobachtet hatte, „die Spieler, die in der ersten Halbzeit noch die Handbremse angezogen hatten, diese komplett lösten“.

Die Statistik:

Hünfelder SV: Ruck – Körner, Trabert, Faulstich (81. Häuser), Witzel – Neidhardt (84. Bambey), Krieger, Budenz, Rohde, Bublitz (55. Fröhlich) – Schuch.
SSV Sand: Beetz – Wicke, Guthof, Bräutigam, Wippel (67. J.-P. Schmidt)– Itter, Simon Bernhardt, Klitsch, V. Moskaltschuk – Wagner (69. Knigge), Oliev.

Schiedsrichter: Wissam Awada (FSV Kassel).
Zuschauer: 250.
Tore: 1:0 Kevin Krieger (5.), 1:1 Tobias Oliev (23.), 1:2 Tobias Oliev (41.), 1:3 Daniel Wagner (50.), 2:3 Marius Bublitz (53.), 3:3 Christoph Neidhardt (58.), 4:3 Christian Guthof (59., Eigentor), 5:3 Julian Rohde (83.), 6:3 Maximilian Fröhlich (86.).

Autor: Johannes Götze