HSV siegt ganz spät

Kein Zweifel, der 1:0 (0:0)-Heimsieg des Hünfelder SV gegen den SC Willingen ist hochverdient, allerdings hätte er dreckiger kaum sein können.
Drei Minuten Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Johannes Drößler (Wacker Gotha) veranschlagt, was HSV-Trainer Dominik Weber bereits die Zornesröte ins Gesicht trieb, weil sich gerade Gästekeeper Yannik Wilke doch oft sehr lange Zeit ließ. Und da auch in der ursprünglichen Extrazeit mehr behandelt als Fußball gespielt wurde, hängte Drößler noch ein kleines Weilchen dran. Und das reichte dem HSV um doch noch das Siegtor zu erzielen. Lukas Budenz wurde 22 Meter vor dem Tor gefoult und legte sich das Leder nach kurzer Beratschlagung zurecht, der Rest war Fußballgenuss pur: Weder Wilke, noch die Sechs-Mann-Mauer oder die drei Willinger auf der Torlinie konnten den perfekt getimeten Freistoß in den rechten Torwinkel verhindern. Gut fünf Minuten lief die Nachspielzeit da schon, das Spiel pfiff Drößler nicht mehr an. „Erst sollte Steffen Witzel schießen, dann doch ich und ich habe schon ein wenig gezittert“, erklärte Budenz die Sekunden der Entscheidung und verabschiedete sich in Richtung Kirmes Rasdorf, wo er seinen Kumpels aus dem Heimatort sicherlich noch mehrfach von jener 96. Spielminute berichten durfte.

Dass Hünfeld so lange auf den Siegtreffer warten musste, lag in erster Linie an der ungenügenden Chancenverwertung: Oliver Krenzer (3.) Marek Weber (7., 73., 90.) Kevin Krieger (24., 30.), Maximilian Fröhlich (27., 48., 71.), Sebastian Schuch (29.) oder Johannes Helmke (85.) ließen teils fahrlässig dickste Gelegenheiten liegen. Zudem wurden Schuch (73.) und Tarek Belaarbi (86.) Tore verwehrt, wobei zumindest Schuchs Kopfballtreffer wohl regulär gewesen ist. Willingen hatte zwei dicke Chancen, allerdings klärte einmal Steffen Witzel stark (29.) und nur zwei Minuten später hielt Sebastian Ernst Max Ullbrichs Distanzschuss sicher.War die erste halbe Stunde des HSV richtig gut, verlor die Weber-Elf danach den Faden und das Spiel war lange Strecken äußerst einschläfernd, gerade die zweite Halbzeit gefiel Weber nicht. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich die Jungs immer wieder dahin führen muss, dass sie so ein Spiel noch gewinnen, einfach den Sieg richtig pervers erzwingen“, erklärte Weber und versuchte schon in der Halbzeitpause an die gute Phase zu erinnern: „Nur durch das Aufzählen der Chancen war die Viertelstunde schon fast um“, sagte er schmunzelnd und lobte den Gegner, gerade die Viererkette, über die Maßen. Richtig war seine Entscheidung, am Ende alles oder nichts zu spielen, auf Dreierkette umzustellen und den Sieg zu erzwingen – gerne auch auf die von ihm angesprochene „perverse Art und Weise“.

Hünfeld: Ernst – Wahl, Helmke, Witzel, Kröning (85. Neidhardt) – Budenz, Krenzer (60. Simon) – Weber, Krieger, Fröhlich (78. Belaarbi) – Schuch.
Willingen: Y. Wilke – Pohlmann, St. Butterweck, P. Ullbrich, Albers – Tesfu, Bott – Heine, Vogel, M. Ullbrich (90.+2 Emde) – Plonka (88. D. Wilke).
Schiedsrichter: Johannes Drößler (FSV Wacker 03 Gotha). Zuschauer: 230. Tor: 1:0 Lukas Budenz (90.+6).

Autor: Johannes Götze

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